Spaß mit dem Brutblattkind

Das sind Brutblätter

blattBotanischer Steckbrief

Fröhliches Brutblatt, Goethepflanze

Wenn Du auf einem Fensterbrett viele kleine Pflänzchen verstreut liegen siehst, könnte es sein, dass Brutblätter nicht weit sind. Entlang der gezahnten Blattränder bildet das Fröhliche Brutblatt (Bryophyllum laetivirens) bis zu fünfzig kleine hellgrüne Brutknospen, wie Perlen an einer Kette. Diese Miniaturen der Mutterpflanze sind durch vegetative Vermehrung entstanden und wachsen zu eigenständigen Pflanzen heran, sobald sie in geeignetem Boden Wurzeln bilden können.
Aufgrund dieser Besonderheit erhielt das Brutblatt den botanischen Gattungsnamen Bryophyllum, übersetzt aus dem Griechischen „Wachsendes Blatt" (bryein = wachsen, sprossen; phyllon = Blatt). Der Artname Deines Bryos entstammt dem Lateinischen und bedeutet fröhliches Grün (laetus = fröhlich, froh, munter; virens = grün(end), blühend, frisch).

Die Blätter und Stängel des Brutblattes sind meist grün, dickfleischig und mit einer glänzenden Wachsschicht überzogen. Das Innere der Blätter kann Wasser gut speichern und die Wachsschicht schützt vor Verdunstung. Trockenheit verträgt unser Freund selbst über mehrere Wochen sehr gut.
Zum Winter hin, wenn die Nächte länger als die Tage werden, kann Dein Bryophyllum auch blühen: zahlreiche hängende, weitgehend geschlossene Einzelblüten gehen langsam von einem grünen in einen blassvioletten Farbton über.

Bryophyllum pinnatumDie ersten Exemplare dieser Tropenpflanzen wurden um 1800 über Kew Garden (London) in die botanischen Gärten in Europa eingeführt. Besonders Johann Wolfgang von Goethe war den Brutblättern „leidenschaftlich" zugetan. Aus Brutknospen zog er sich 18 Generationen und nannte sie wegen ihrer unglaublichen Vermehrungsfreude die „pantheistische Pflanze". Damit meinte er, dass das Göttliche in dieser Pflanze zu finden sei. Er hatte große Freude daran, Blätter zur Vermehrung per Post an seine Freunde zu verschicken. Deshalb sind die Brutblätter im Volksmund auch als Goethepflanzen bekannt.

In der Volksmedizin der tropischen Länder werden Brutblätter als Heilpflanze verwendet. Rudolf Steiner führte 1923 Bryophyllum in die westliche Medizin ein. Auch heute noch ist Bryophyllum aufgrund seiner schmerzlindernden, muskelentspannenden, fiebersenkenden und antimikrobiellen Wirkung für die pharmazeutische Forschung von Interesse.

  • Botanischer Name:
    Bryophyllum laetivirens
  • Ordnung:
    Steinbrechartige (Saxifragales)
  • Familie:
    Dickblattgewächse (Crassulaceae)
  • Gattung:
    Bryophyllum (Synonym: Kalanchoe), ca. 30 Arten
  • Herkunft:
    Madagaskar (endemisch)
  • Wuchshöhe:
    30 – 50 cm
  • Blüte:
    glockenförmig, blassviolett, Dezember – März
  • Standort:
    sonnig bis halbschattig, gut drainierte Substrate
  • Temperaturansprüche:
    10°- 30° C
  • Pflege:
    regelmäßiges düngen und zurückschneiden
  • Giftigkeit:
    ungiftig bis gering giftig, nicht zum Verzehr geeignet
  • Vermehrung:
    Brutknospen, Stecklinge, Aussaat
  • Besonderheiten:
    Brutknospen, Lang-Kurztag-Pflanze, CAM-Pflanze

Wenn Du noch mehr über Dein Bryo erfahren möchtest, besuche das Grüne Lexikon des deutschen Gartenbaus: http://de.hortipedia.com/wiki/Bryophyllum_laetivirens